Aus dem Stader Tageblatt vom 12.03.21

Kita-Fachkräfte empört über geplantes Gesetz

Der Entwurf des Kultusministers empört Fachkräfte aus den Kitas im Landkreis. Denn sie sehen keine Verbesserungen im geplanten Kita-Gesetz und verteilen deshalb Protest-Postkarten. Was sie stattdessen fordern.

Die Landesregierung will, wie sie mitteilt, mit der Gesetzesnovelle Qualitätsstandards und dauerhafte Finanzierung der Kindertagespflege festschreiben und den Fachkräftemangel abmildern. In Kita-Fachkreisen sorgt der Entwurf aber für Empörung.  „Bei mir war großes Erschrecken“, berichtet Heidi Ditschke, Leiterin der Cosmae-Spatzen in Stade. Sie ist eine von 13 Kita-Leitungen im evangelischen Kindertagesstättenverband Stade. Der hat zu einer Video-Pressekonferenz eingeladen, um zu protestieren und „einen Aufbruch des Landes Niedersachsen ins 21. Jahrhundert“ und mehr Investitionen in die Kinder und in die Zukunft zu fordern: durch einen besseren Betreuungsschlüssel und mehr Zusatzstunden für Dokumentation, Inklusion, Sprachförderung, Elternarbeit und Leitungsstunden.

Fachkräfte fehlen

Die Anforderungen seien erheblich gestiegen, erklärt Ditschke, die seit 30 Jahren dabei ist. 1994, erinnert sie sich, wurden ihnen Verfügungsstunden zugestanden – 7,5 Stunden pro Kita-Gruppe und Woche. Dabei sei es geblieben, aber damals gab es vorwiegend Halbtagsgruppen. Heute sind Ganztagsgruppen an der Tagesordnung. Eltern haben für Kinder ab einem Jahr einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, seit 2018 gilt die Kita-Beitragsfreiheit ab dem dritten Lebensjahr. „Als der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz 2005 auf den Weg gebracht wurde, gingen die Kommunen davon aus, dass nur bei 30 Prozent Bedarf besteht“, ergänzt Elisabeth Salzburg-Reymann, Geschäftsführerin des evangelischen Kita-Verbands. Die Realität hat das überholt: Kitas wurden und werden überall erweitert und neu gebaut – ohne dass mehr Fachkräfte ausgebildet werden. Dabei werde eine intensive Begleitung der Kinder immer wichtiger, erklärt  Kirsten Wilhelmy, Leiterin der Stader Kita St.Wilhadi: „Wir arbeiten mittlerweile familienergänzend, manche Kinder sind bis zu zehn Stunden bei uns.“ Auch die Inklusion brauche jenseits der Förder- und Therapiestunden Zeit. Ute Möller, Leiterin der Stader Kita St. Georg, ergänzt, dass sie sich auch um mehr Kinder aus Einwandererfamilien kümmerten. Sie schätze die Vielfalt, sie bringe aber einiges mit sich, von Sprachförderung über kulturellen Brückenbau bis zu Elterngesprächen mit Dolmetscher.  
Finden das geplante Gesetz zum Heulen: die Kita-Leitungen im evangelischen Kindertagesstättenverband Stade. Foto: Richter
  Eigentlich hatte die Landesregierung 2018 mit Einführung der Kita-Beitragsfreiheit versprochen, den Betreuungsschlüssel zu verbessern – durch eine dritte Kraft pro Gruppe. Zurzeit müssen zwei Kräfte sich um 25 Kinder kümmern. Eigentlich sei die dritte Kraft jetzt Standard, und die Kitas ihres Verbands hielten sich auch daran, sagt Salzburg-Reymann. Aber viele könnten aufgrund des Fachkräftemangels keine dritte Kraft einstellen. Für sie wurde der Standard ausgesetzt, und das neue Kita-Gesetz will diese Aussetzung bis 2025 verlängern. Der evangelische Kita-Verband dagegen fordert: Ein(-e) Erzieher(-in)  sollte sich um höchstens drei Krippenkinder kümmern müssen, im Elementarbereich um höchstens acht Kinder und im Hort um höchstens 7,5.

Kritik an Gesetzentwurf

Um die Lücken zu stopfen, sieht der Gesetzentwurf vor, die fachliche Schwelle für die Einstellung von Zweitkräften zu senken. Eine falsche Strategie, finden die Kita-Leitungen. Stattdessen sollte der Erzieherberuf attraktiver werden: durch einen geregelten Anspruch auf finanzielle Vergütung der Ausbildung, reduzierte Gruppengrößen von höchstens 20 Kindern im Elementarbereich und höchstens 12 Kindern in der Krippe, durch eine halbe Stunde mehr Verfügungszeit pro Kind und Gruppe und mindestens zehn Stunden mehr Leitungszeit pro Gruppe, für stellvertretende Leitungen fünf Stunden. Außerdem sollten Therapieangebote in der Kita ermöglicht werden. Doch auch von den kommunalen Verbänden kommt Gegenwind: All das sei nicht finanzierbar. Bei den Kita-Leitungen wird der Geduldsfaden kürzer: Noch nie, sagen sie, sei ihre Arbeit so anstrengend gewesen wie im zurückliegenden Pandemiejahr. Diese Zeit habe deutlich gemacht, wie wenig ihre Arbeit geschätzt werde. Sie glauben nicht, dass es die aktuellen Verbesserungen bei Impfreihenfolge und Infektionsschutz für sie gegeben hätte, wenn sie nicht zuvor eine landesweite Protestwelle ins Rollen gebracht hätten. Nun verteilen sie Protestkarten – und fordern dazu auf, sie auszufüllen und an Politiker zu schicken, vor Ort oder in Hannover. Bianka Lange, Leiterin der Kita am Fleet in Jork, erklärt: „Wir wollen bei der Wahl im September nur die Politiker wählen, die etwas für uns tun.“

Noch mehr Ideen für zu Hause:

Viele Kinder sind durch die Corona-Krise sehr verunsichert. Ursula Leitl hat dazu eine kleine Geschichte geschrieben, die manchem Kind vielleicht helfen kann, das Problem besser zu verstehen:  Corona-Krise-verstehen Von der Stadt Wien gibt es auf Youtube einen für ältere Kita-Kinder gut verständlichen zweiminütigen Clip unter dem Titel: „Das Corona-Virus Kindern einfach erklären“. … und eine Geschichte mit der Maus – für alle Kinder zuhaus’:  Maus Geschichte
RaumZeit –  ein Projekt des evangelischen Gesamtverbandes der Stader Kirchengemeinden    https://RaumZeit.wir-e.de/abenteuerzeit-home
Von Claudia Marquardt für Kinder von drei bis acht Jahren gibt es den Youtube Kanal “Tante Tim’s Hütte“.
Mit vielen Geschenken wurde Anke Heinrich, Leiterin der Kita Schatzinsel, an ihrem 10. Jubiläumstag von Mitarbeitenden und Eltern der Kita- Kinder überrascht. Auch der Kitaverband gratulierte und dankte Frau Heinrich für ihr besonderes Engagement in der Leitungsfunktion. Mit ihrer Kreativität und Zielstrebigkeit bei der Arbeit mit den Kindern hat sie die Kita Schatzinsel erfolgreich aufgebaut und weiterentwickelt.    
Nach über 30 Jahren bei den Lühezwergen in Steinkirchen ging Susanne Sundermann in den Ruhestand. In einem würdigen Rahmen fand eine kleine Abschiedsfeier statt. Ihr wurde für die vertrauensvolle und engagierte Arbeit als Erzieherin in der Gruppe und als stellvertretende Leiterin der Einrichtung herzlich gedankt. Dazu kamen neben der Bürgermeisterin auch Vertreterinnen der Samtgemeinde, der Kirchengemeinde und des Kitaverbandes vorbei. Auch für die KollegInnen ist der Verlust der vielseitigen Kollegin groß.